Femizid - Das Reden über häusliche Gewalt kann Leben retten

Im Bullingerhaus in Aarau kamen auf Einladung des Aargauer Katholischen Frauenbundes beherzte Menschen zusammen: Claudia Wyss von der Anlaufstelle für häusliche Gewalt, Matthias Boscaini, Dienstchef Stv. Kriminalpolizei, Daniel Hölzle, Schulleiter in Zofingen und Brittnau, und Anna Rosenwasser, Nationalrätin, zusammen. An der Besetzung zeigte sich schon, dass wir nicht am Anfang stehen im Engagement gegen häusliche Gewalt. Aber warum sterben immer noch Frauen, getötet von einem Mann aus dem privaten Umfeld? Einmal mehr war zu hören, dass es nicht nur Männer mit Migrationshintergrund sind. Einmal mehr war zu hören, dass häusliche Gewalt nicht nur körperliche Gewalt meint.
Auch aus der Region Zurzach und dem Pastoralraum Aare-Rhein haben sich Frauen nach Aarau aufgemacht. Häusliche Gewalt macht vor keinem Dorf halt.
Im vollen Saal waren alle, sehr viele Frauen und ein paar wenige Männer, überzeugt: Es braucht mehr Gelder für die Opfer- und die Täterberatung. Es braucht mehr Möglichkeiten an den Schulen, Gewalt zu thematisieren. Rechnen sollen alle lernen! Und Konfliktbewältigung?
Es wurde deutlich: Femizid ist die Spitze einer Spirale von Gewalt. Meist beginnt diese in gesellschaftlich immer noch tolerierter Abwertung von Frauen. Oft wird den Frauen Empfindlichkeit nachgesagt, wenn sie sich wehren. In diesen Fragen braucht es Nulltoleranz, vertrat Matthias Boscaini von der Aargauer Polizei.
Liebe Männer, sprecht darüber, sagt einander, dass es euch missfällt, wenn respektlos über Frauen gesprochen wird. Genauso funktioniert Nulltoleranz von Sexismus.
Die Empfehlungen an diesem Abend: Über Gewalt muss gesprochen werden und Politiker müssen befragt werden, warum sie nicht bereit sind, Gewaltprävention und Schutz der gewaltbetroffenen Frauen und Männer mehr zu finanzieren.
Karin Klemm, Seelsorgerin
Foto: Nicola Krimke