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2007 (12./13. Mai): Musical "Der kleine Tag"

Musical "Der kleine Tag" Grenzüberschreitendes Musical-Projekt 2007

Die Aufführung des Musicals "Der kleine Tag" in der Waldshuter Stadthalle am 12./13. Mai überwand Grenzen zwischen Ländern und Generationen

Für die rund 100 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne gehört jenes Wochenende mit Sicherheit auch zu den Tagen, die sie nicht so schnell vergessen werden. Trotz des schönen Wetters und trotz (oder wegen?) des Muttertages war die Waldshuter Stadthalle am Samstagabend und am Sonntagnachmittag mit weit über 300 Personen sehr gut gefüllt.
Kinder und Erwachsene ließen sich von der Musik und von der Geschichte des „kleinen Tages“ bezaubern, der - wie alle Tage - im „Lichtreich“ hinter den Sternen wohnt und nur ein einziges Mal für 24 Stunden zur Erde darf. Natürlich träumt er davon, ein ganz besonderer Tag zu werden und damit zur „ersten Reihe“ zu gehören. Dort befinden sich zum Beispiel der „Steinzeittag“, an dem zum ersten Mal ein Mensch ein Feuer entzündete und der „Kolumbustag“, an dem Amerika entdeckt wurde. „Der kleine Tag“, gespielt von der 15jährigen Vera Stierli aus Gippingen, kann es kaum erwarten, bis er an der Reihe ist. Schließlich nimmt er all seinen Mut zusammen und springt durch den dunklen Tunnel auf die Erde. Er freut sich an dem, was er dort erlebt: eine Familie beim Zügeln, ein Geburtstagskind in der Schule, ein Liebespärchen im Park, eine Familie beim Picknick am See. Doch nach seiner Rückkehr ins „Lichtreich“ machen ihm die anderen Tage klar, dass all diese Dinge nur langweiliger Kram seien und schicken ihn in die „achte Reihe“: nicht der Rede wert! Erst als ein Jahr später ein weiterer 5. August von der Erde zurückkehrt und erzählt, dass man überall gefeiert habe, dass vor genau einem Jahr zum ersten Mal überall auf der Welt Frieden geherrscht habe, rückt „der kleine Tag“ plötzlich wieder in den Mittelpunkt. Die Botschaft des bekannten Musicals von Rolf Zuckowski, Wolfram Eicke und Hans Niehaus ist klar: Jeder Mensch ist wichtig, so wie er oder sie nun einmal ist. Und oft sind es die kleinen und unscheinbaren Dinge, die wirklich zählen.
Detlef Kaleja (Regie) und Thomas Scheibel (musikalische Leitung) hatten schon bei der Aufführung im vergangenen Jahr anlässlich des Jubiläums von Jungwacht und Blauring Leuggern die Idee, das Projekt noch einmal auf der anderen Rheinseite durchzuführen. Viele der Schweizer Darstellerinnen waren begeistert und auch der Jugendchor Leuggern-Kleindöttingen und die Musiker der Band EPHAHTA machten gerne noch einmal mit. In Waldshut fand man im gemischten Chor „Frohsinn“, in der Singschule „DoReMi“ und dem Taizé-Chor der katholischen Pfarrgemeinde eine hervorragende Ergänzung. Im Gegensatz zu dem oft von Schulen durchgeführten Aufführungen konnten jetzt die einzelnen Szenen auch altersgerecht besetzt werden. So hat der Waldshuter Martin Rochlitz mit der 15jährigen Andrea Murer aus Leuggern nun plötzlich eine E-Gitarre spielende Schweizer Tochter mit Punk-Frisur und Sara Emmenegger aus Hettenschwil flirtet auf der Bühne mit Alexander Rochow als Liebespaar.

Seit Anfang des Jahres liefen in den einzelnen Gruppen die Vorbereitungen. Erst beim Probentag am 28. April trafen erstmals alle Beteiligten zusammen. So konnte Thomas Scheibel bei der Begrüßung des Publikums zu Recht sagen, dass die 100 Personen, die hinter dem Vorhang gespannt auf die Aufführung warteten, sich bis vor wenigen Wochen zum Teil noch gar nicht kannten. Davon war allerdings am Sonntagabend nichts mehr zu spüren. Nach dem von allen, auch vom Publikum, gesungenen Schlusslied „Wohin will der Wind mich tragen?“, dem verdienten, lang anhaltenden Applaus und einer zum Muttertag passenden Zugabe („Nicht weil es Geld bringt, nicht weil es nützt, nicht damit andre es bewundern, nein: nur so“) waren die Grenzen zwischen den beiden Ländern und den verschiedenen Generationen endgültig gebrochen, und man freute sich gemeinsam an dem großen Erfolg, tauschte Adressen aus, und manch einer erkannte plötzlich frühere Bekannte von der anderen Rheinseite wieder. Die Agentur Hochrhein hat dieses Projekt im Rahmen ihres Programms „Begegnungen am Hochrhein“ also völlig zurecht großzügig finanziell unterstützt. Und wenn man die Hauptdarstellerin fragt, was ihr an ihrer Rolle eigentlich am besten gefällt, dann antwortet sie: „Während sich meine Körpergröße in Grenzen hält, bin ich doch immer wieder für kleine Wunder zu haben!“ Wer eine der beiden Aufführungen erlebt hat und sich von der Begeisterung aller Beteiligten im Saal hat anstecken lassen, hat ein solches kleines Wunder erlebt.

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